Kommentar zum Artikel „Steht Lasse Becker nackt da?“

In der Jung & Liberal (dem Mitgliedermagazin der JuLis) ist in der Ausgabe 01/2011 ein Artikel mit der plakative Überschrift „Steht Lasse Becker nackt da?“ zu finden, hier mein Kommentar zu diesem sehr interessanten und sehr gut geschriebenen Artikel.

Der Artikel lehnt sich unübersehbar an die Geschichte des grünen Abgeordneten Malte Spitz und hat im Prinzip einer sehr wichtige und auch richtige Aussage: Passt auf wem ihr eure Daten gibt! Das ist wichtig und kann gar nicht oft genug wiederholt werden. Allerdings (und ich hoffe du siehst mir das nach Julian), werden dort einige Schlüsse gezogen die ich so nicht stehen lassen möchte und da es immer noch keine anständige Kommentar-Funktion für J&L-Artikel gibt, werde ich mein Kommentar eben hier dazu abgeben und den entsprechenden Artikel verlinken, sobald er online verfügbar ist. Ich fange gleich mit der steilsten These an:

Forderungen nach restriktiver Vorratsdatenspeicherung können wir JuLis uns sparen, wenn wir ohnehin freiwillig unser ganzes Leben ins Netz stellen.

Zuerst einmal hoffe ich, dass wir JuLis weiterhin bei unserer Position bleiben gegen jede Art von Vorratsdatenspeicherung zu sein, egal wie restriktiv sie sein mag, aber das nur als Spitzfindigkeit am Rande.

Viel entscheidender ist doch, und Julian erkennt das ja auch selbst, wenn wir Daten von uns auf Facebook veröffentlichen, dann tun wir das freiwillig. Auch wenn es zugegeben vielen immer schwerer fällt, wenn wir wollen, dann müssen wir uns noch nicht mal bei Facebook anmelden. Mit der Vorratsdatenspeicherung ist das aber eine ganz andere Sache: Man kann nicht sagen ab morgen telefoniere ich nicht mehr oder ab morgen benutze ich nicht mehr das Internet, als Student, Schüler, Politiker und in vielen anderen Berufen geht das einfach nicht. Und wenn ich z.B. als Frau über eine Abtreibung nachdenke und nicht will, dass das jeder weiß, dann poste ich das wohl nicht bei Facebook, die Server bei der Telekom interessiert das natürlich herzlich wenig, die loggen meine Mails und meine Mobilfunkzelle fleißig weiter mit.

Das Ganze hat etwas der Schäubleschen: „Wer nichts zu verbergen hat…“. Sind wir wirklich soweit? Brauche ich einen Grund um dem Staat zu verbieten auf meine Daten zuzugreifen? Müsste es nicht umgekehrt sein, braucht der Staat nicht einen verdammt guten Grund um auf meine Daten zugreifen zu dürfen?

Unsern Bundes-Lasse finde ich darüber hinaus als Beispiel eher schlecht gewählt. Schließlich ist der (im positiven Sinne) Selbstdarsteller im Internet. Er ist der Vertreter eines Verbandes mit mehr als 10.000 Mitgliedern, ohne ihn entzaubern zu wollen, ich schätze er kennt sie nicht alle persönlich. Man stelle sich vor: Eines der Basismitglieder oder ein Interessent stellt eine Freundschaftsanfrage an Lasse und dieser nimmt nicht an, weil er die Person nicht kennt… das wirft wohl kein allzu gutes Licht auf ihn und auch auf uns. Ist Facebook nicht auch gerade deshalb für Politiker interessant, weil es Transparenz schafft? Ja, wir können Lasses Weg nachverfolgen, aber ist das unbedingt schlecht? Lasse steht nunmal zu einem gewissen Grad in der Öffentlichkeit und ich habe das Gefühl er geht damit recht souverän um, ich habe auf seinem Account noch keines der viel zitierten „Partybilder“ gefunden, die unsere zukünftigen Chefs davon abhalten und einzustellen.

Datenschutz ist ein wichtiges liberales Thema, aber man muss hier klar unterscheiden zwischen Datenschutz gegenüber staatlichen Einrichtungen und privaten. Denn liberal sein heißt für mich auch den Leuten zuzugestehen, dass sie selbst entscheiden dürfen, wie viel sie von sich preisgeben möchten. Das heißt auf der einen Seite sie müssen die Möglichkeit haben, wenn sie das wollen, unbehelligt zu bleiben von staatlichen und privaten Datensammlern, wenn sie sich in die Hände von privaten Unternehmen geben müssen diese deutlich machen welche Daten sie wozu erheben, aber es heißt eben auch, dass man auch digital strippen darf, wenn man möchte.

„Just my two cents“

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