X-pire: Das digitale Radiergummi ist eine digitale Sonnenbrille

Das Saarland rettet (mal wieder) die Welt und Ilse Aigner gleich mit! Denn ein Professor der Saar-Uni hat das erfunden, wovon Politiker seit Jahren träumen, das „digitale Radiergummi“. Ein Programm, dass Bilder verfallen lässt und diese damit, nach einer, vom User angegebenen, Zeitspanne nicht mehr aufrufbar sind.

Gedacht ist das Ganze für Facebook & Co, um unsere armen Daten endlich zu schützen, wenn wir mal wieder die Saufbilder von der letzten Party hochladen. Wie funktioniert es? In der aktuellen Beta ist das X-pire getaufte Programm als Plugin für den Firefox erhältlich und läuft somit unter Windows, Linux und Mac OS.

Bilder die man schützen möchte, müssen mit diesem Plugin erst umgewandelt werden, dabei muss man unterscheiden, ob man das Bild auf die eigene Website hochladen will, oder für Facebook oder Flickr nutzen will. Versucht man die umgewandelten Dateien dann mit einem normalen Bildbetrachtungsprogramm zu öffnen, oder im Browser, ohne das Plugin installiert zu haben, sieht man folgendes Bild:

x-pire

Öffnet man das Bild aber im Firefox, mit installiertem Plugin, so wird man dazu aufgefordert ein Captcha einzugeben und schon kann man das Bild sehen, aber nur solange, bis der vom Ersteller eingegebene Zeitpunkt erreicht ist, das können einige Minuten, aber auch einige Jahre sein. Soweit so wow, hört sich alles gut an und funktioniert auch erst einmal gut.

Wer etwas Ahnung hat, der ahnt aber schon eine Schwachstelle: Man kann das System relativ einfach umgehen, indem man ein Screenshot macht, das ist zwar ärgerlich aber kaum vermeidbar, von daher noch eine zu akzeptierende Schwäche. Geradezu lächerlich dagegen: Wenn man das Bild einfach über Firefox auf der Festplatte speichert (Rechtsklick -> Grafik speichern unter), wird es ohne Verschlüsselung gespeichert und ist damit ungeschützt und kann immer geöffnet werden. Das digitale Radiergummi ist also ein ziemlich zahnloser Tiger.

Dazu kommen viele weitere kleine Schwächen: Skaliert man ein verschlüsseltes Bild, zum Beispiel mit GIMP, und versucht es dann zu öffnen, stürzt gleich der ganze Browser ab. Für Webseiten verschlüsselte Bilder können nicht auf Facebook angezeigt werden und umgekehrt…

Das Konzept dahinter ist auf den ersten Blick sehr bestechend, die Umsetzung macht das Programm aber geradezu nutzlos, umso unverständlicher, wie sich die Medien auf das Programm stürzen. Frau Aigner kommt so etwas natürlich auch sehr gelegen, würde es den Nutzer doch von der Pflicht entbinden sorgsam mit seinen Daten umzugehen. Vorerst zumindest bleibt es aber auch weiterhin dem Nutzer überlassen, sich um den Schutz seiner Daten zu kümmern.

Comments
  1. sehe ich auch so. der test bei unser ding scheint nicht zu funktionieren. aber mal was anderes: warum bringe ich bilder von mir ins internet, die irgendwann keiner mehr sehen will? warum sollen meine bilder plötzlich verschwinden? also, irgendwie läuft das mit dem internet in eine falsche spur. wir hatten damals was anderes damit vor.

    • Daniel Braun

      Dem kann ich absolut zustimmen, da es aber leider traurige Tatsache ist, dass die Menschen es offensichtlich nicht mehr schaffen selbst auf sich und ihre Privatsphäre zu achten, wäre ein solches System, das funktioniert, natürlich wirklich ein schöner Traum.

  2. „Ein schöner Traum“ – eigentlich auch nicht. Mal abgesehen von den relativ leichten Umgehungsmöglichkeiten per Screendump, selbst wenn man die Speichermöglichkeiten des Browsers abschalten würde, wäre man dauerhaft abhängig von einem funktionierenden X- Pire Server. Dass Plugins auch gerne zu Exploits werden bzw. von den Entwicklern des „Closed Sourcecodes“ ebenfalls für diverse Dinge verwendet werden könnten, ohne es ihnen unterstellen zu wollen, ist ein weiterer Aspekt, der von der Nutzung abraten läßt. Dass zudem das Einsatzgebiet (soziale Netzwerke) doch recht begrenzt zu sein scheint, erwarte ich, dass es eine sog. innovative Totgeburt wird…

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