Absoluter Reinfall

Heute lief, nach großer medialer Aufmerksamkeit im Vorfeld, zum ersten mal Stefan Raabs neuer Polit-Talk „Absolute Mehrheit“. Das Ergebnis war enttäuschend.

Eine ernste Sendung mit Ulknudel Raab, da waren viele von Anfang an skeptisch, auch wenn dieser immer wieder die Auftritte von Politikern vor der Bundestagswahl bei TV Total ins Feld führte, die einigermaßen seriös waren.

Stefan Raab CC-by-sa  Daniel Kruczynski

Stefan Raab CC-by-sa Daniel Kruczynski

Doch schon in den ersten fünf Minuten der Sendung schien Raab bemüht alle Vorurteile und Zweifel zu bestätigen. Noch bevor ein Wort gesprochen wurde erklärte er, dass es jedem Gast der Show freisteht diese jederzeit zu verlassen, schließlich leben wir in einem „freien Land“. Billiger kann man einen vermeintlichen Skandal kaum herbeireden und das bevor irgendetwas passiert ist.

Auch als die Gäste kamen, wurde es kaum besser, was allerdings nicht an den Gästen lag. Das für Raab entscheidende Element bei der Vorstellung der einzigen Frau in der Runde war ihre „Attraktivität“, bei den anderen Gästen war man offensichtlich um eine witzige Vorstellung bemüht, was allerdings auch nicht sonderlich gut funktioniert hat. Darauf folgte Raabs beliebter „Partyrassismus“ mit einem Witz über die Herkunft des FDP-Vorsitzenden.

Die eigentliche Diskussion danach verlief immer in ähnlichen Bahnen:

  • Raab stellt eine Frage, polemisch und vermeintlich witzig formuliert, von der man aber sofort merkt, dass er sie selbst nicht so recht ernst nimmt
  • Darauf folgt eine Politiker-Standardantwort, wie man sie auch in jedem anderen Format hören kann

Man hat das Gefühl, dass die Antwort den Moderator sowieso nicht mehr so richtig interessiert, seinen Witz hatte er ja mit der Frage schon platziert. So sind auch konkrete Nachfragen eher selten. Oft beendet Raab einen Gedanken abrupt durch einen neue Frage, die überhaupt nicht in den Gesprächsverlauf zu passen scheint. Überhaupt gab es so viele Unterbrechungen wohl sonst nur bei der ZDF-Wahlparty zur Präsidentschaftswahl in den USA. Die Zeit ist knapp, die Zwischenergebnisse müssen präsentiert werden und der Zuschauergewinn, da bleibt wenig Zeit für Diskussion, was Peter Limbourg nicht davon abhält die Diskussion über Steuern und Reichtum nach ca. einer viertel Stunden als beendet zu betrachten.

Raabs Gesprächsführung ist an vielen Stellen nicht vorhanden oder viel zu lasch, wenn er sich doch einmal einmischt bleibt immer das Gefühl, dass sich der Moderator in den Mittelpunkt stellen will und nicht, dass er die Debatte voranbringen wollte.

Das Konzept der Show hat keinen Einfluss auf die Debatte, zumindest bei den Politikern, niemand verfällt in übermäßige Polemik oder wächst rhetorisch über sich hinaus (auch nicht Kubicki, der ist immer so).

Insgesamt hat die Sendung enttäuscht. Sie ist nicht unterhaltsam, sie bringt niemanden zu neuen, unkonventionellen Antworten und für Politik lässt sich dadurch wohl kaum ein junger Zuschauer begeistern. Es wird eben doch nicht alles Gold, was Herr Raab anfasst.

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