Aus Freiheit folgt Verantwortung – auch und gerade im Internet

Die Bundesministerin für Verbraucherschutz stellt das digitale Radiergummi vor, Datenschützer warnen vor Facebook und Verbraucherzentralen fordern mehr Schutz vor Abzocker im Internet. Auf der anderen Seite stehen Piraten, Internet-Freigeister und Prominente Figuren wie Sascha Lobo und fordern ein freies Internet und das Ende der staatlichen Eingriffe. Aber können wir überhaupt umgehen mit einem freien Internet, sind wir bereit dafür?

Die Vorstellung des digitalen Radiergummis hat für einiges Aufsehen gesorgt. Allein das zeigt, dass wir in einer Zeit leben, in der wir, zumindest im Internet, vor uns selbst geschützt werden müssen. In den Anfangszeiten des Internets wäre niemand auf die Idee gekommen, Dateien mit einem Verfallsdatum zu versehen, im Gegenteil, das besondere daran war ja die Idee alles immer und überall verfügbar zu machen. Und heute? Wir schaffen es nicht mehr selbst darauf zu achten, was ins Internet darf und was nicht, wir brauchen Programme, die uns vor uns selbst schützen.

Wir brauchen Gesetze, die Anbieter dazu verpflichten im Internet alles deutlich zu kennzeichnen, sie dazu zwingen ein ausführliches Impressum zu haben. Gleichzeitig beschweren wir uns darüber, dass wir für unseren Blog ein Impressum brauchen und dass die Gesetzeslage sowieso viel zu kompliziert ist.

Wir wollen, dass unsere Kinder endlich effektiv geschützt werden, wenn sie surfen. Gegen eine Alterskennzeichnung für Websites und Sendezeitbegrenzungen wehren wir uns aber vehement und letztendlich auch erfolgreich.

Bunch of RJ45 connectors

Kein USB-Kabel

Wir wollen Schutz vor Abo-Fallen, aber der Staat soll sich am Besten raushalten aus dem Internet. Das Internet ist ein demokratisches Medium, wir, die Netzgemeinschaft entscheiden alles zusammen und schaffen eine bessere Welt, fernab von Kapitalismus, sozialen und kulturellen Unterschiede und überstaatlich. Wer kam eigentlich auf die Idee, das Internet sei ein demokratisches Medium? In Wirklichkeit ist diese vielbeschriebene „Netzgemeinschaft“ doch eine Gemeinschaft von Diktatoren. Jeder entscheidet für seinen Blog, seine Website und sein Facebook-Profil, wer was lesen und kommentieren darf. Wir führen jeden Tag Krieg um Besucher, Leser, Kunden, Freunde, Follower und wie die Währungen des Internets sonst noch heißen.

Wollen wir es wirklich, das freie Internet? Was ist unsere Definition von einem freien Internet? Ist das Internet frei, wenn Facebook mit unseren Daten machen kann, was sie wollen, solange wir zustimmen? Oder ist das Internet erst richtig frei, wenn wir all unsere Daten hochladen können ohne Angst haben zu müssen, dass sie jemand missbraucht, speichert oder weiterverarbeitet?

INTERNET

Das Internet hat geschlossen

Wenn wir ein wirkliches freies Internet wollen, dann folgt daraus, ganz wie im echten Leben, Verantwortung.

Wenn das Internet so frei ist, dass es Google und Facebook erlaubt unsere Daten zu verwerten, dann folgt daraus die Verantwortung, dass wir selbst achten müssen, welche Daten wir an wen weitergeben. Wenn das Internet frei ist und wir trotzdem einen effektiven Jugendschutz wollen, dann liegt es in der Verantwortung jedes Seitenbetreibers selbst, dafür zu sorgen, dass seine eigenen Inhalte auch nur für die Zielgruppe zugänglich sind, der sie nicht schaden.

Und solange all das nicht der Fall ist, und an diesem Punkt sind wir in meinen Augen noch lange nicht, solange müssen wir weiter forschen, an digitalen Radiergummis, und Regulieren, den Jugendschutz, um uns vor uns selbst zu schützen.

Comments
  1. Gefaellt mir, dass hier oft gepostet wird.

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