Deutsch für „Die Welt“

Nach dem wir schon lange wissen, dass der Bundesaußenminister kein Englisch kann, hat sich „Die Welt“ jetzt seinen Deutschkenntnissen angenommen und enorme Lücken gefunden.

Die deutsche Sprache ist ziemlich kompliziert, das weiß jeder, der viel schreibt oder Vorträge hält, kleine Flüchtigkeitsfehler schummeln sich immer wieder ein. Ich bin sicher auf diesem Blog gibt es hunderte, eigentlich nicht besonders wild.

Nun gibt es aber Menschen, die besonders im „Interesse“ der Medien stehen, man könnte auch so sagen, beliebte Ziele für negative Kampagnen. Sozusagen der 100-Punkte Treffer unter den Zielen ist unser Bundesaußenminister, Dr. Guido Westerwelle. Das dürfte wohl der Grund dafür gewesen sein, dass die Zeitung „Die Welt“ sich nun mit den wirklich wichtigen Problemen unserer Gesellschaft beschäftigt hat.

Wen interessiert schon, was in Ägypten passiert, nein, wirklich wichtig ist das: „Westerwelles Probleme mit dem deutschen Plural“. Was die Welt dort auf mehrere hundert Wörter verteilt lässt sich kurz zusammenfassen: Westerwelle sagt statt „Wir Deutschen….“ lieber „Wir Deutsche…“.

Ein gefundenes Fressen für den Autor, Michael Wolffsohn. Unter einem Bild von Westerwelle steht „Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat sogar auf Deutsch promoviert, trotzdem äußert er sich mit ein paar grammatikalischen Fehlern“. Perfekt, er kann nicht nur kein Englisch, nein er kann auch kein Deutsch!

Bis hierhin kann man sagen, der Artikel ist besonders eins, nämlich kleinlich. Haben wir keine Anderen Probleme? Wollen wir die Leistung unserer Politiker an einem „n“ messen? Aber wenn man sich genau damit beschäftigt ist der Artikel eigentlich doch lustig und gleichzeitig traurig und dann auch wieder peinlich. Peinlich für Wolffsohn, nicht für Westerwelle.

Denn offensichtlich hat die Welt Michael Wolffsohn, der übrigens Neuere Geschichte an der Universität der Bundeswehr München lehrt, keinen Duden zur Verfügung gestellt. Einige seiner Leser scheinen dagegen selbigen zu besitzen, denn in den Kommentaren findet man schnell den Hinweis, dass beide Formen (also „Wir Deutschen….“ und „Wir Deutsche…“) zulässig sind.

Oh? Kann das sein? Schreibt man einen ganzen Artikel über den vermeintlichen Sprachfehler eines Politikers ohne auch nur einmal den Duden zu bemühen? Das wollte ich natürlich prüfen. Statt des Dudens steht in meinem Regal ein Wörterbuch aus dem Bertelsmann Verlag. Und siehe da, auch dort ist man der Meinung, beide Formen sind zulässig. Ziemlich peinlich, ein wenig lustig und ein trauriges Zeugnis für ein „Qualitätsmedium“. Die Kommentar-Funktion unter dem Artikel ist inzwischen übrigens, selbstredend, geschlossen.

Dazu fällt mir nur ein: Vielleicht sollten wir Deutsche unsere Politiker nach dem bewerten, was sie tun und nicht was sie tragen, wie sie sprechen, ob sie uns sympathisch sind oder welches Geschlecht sie haben.

Comments
  1. Es ist erstaunlich, welche Probleme Herr W. mit der deutschen Sprache hat! Und ich meine nicht den Minister. http://crazyprocesses.blog.de/2011/02/05/michael-wolffsohns-probleme-deutschen-sprache-10519206/

Kommentieren