Haben wir sonst keine Probleme?

„Haben wir sonst keine Probleme?“ oder „Gibt es denn nichts wichtigeres?“, das sind die zwei Fragen, die wohl am häufigsten in politischen Debatten auftauchen. Und sie sind Unsinn.

Franz Josef Strauß

Heute kein Problem mehr: F. J. Strauß.

Für den Einen sind es Kriege, für den Anderen sind es Flüchtlinge und für einen Dritten ist es vielleicht die Rente. Was gerade die wichtigsten Probleme in unserem Land, oder gar auf der Welt, sind, dazu gibt es fast so viele Meinungen wie Einwohner. Eines ist aber sicher, die Legalisierung von Cannabis, die Umbenennung des Münchner Flughafens oder die Abschaffung des Tanzverbotes, das sind nicht die wichtigsten Probleme. Gibt es denn nichts wichtigeres?

Besonders schwer haben es die politischen Jugendorganisationen. Beschäftigen sie sich mit den großen Problemen unserer Zeit, so wird ihnen sofort Größenwahn nachgesagt, beackern sie Nischenthemen, werden sie schnell als politischer Kindergarten abgestempelt. Haben wir sonst keine Probleme?

Geschickte PR-Strategen können solche Beißreflexe natürlich zu ihren Gunsten ausnutzen.  Ob der Flughafen in München nun nach Franz Josef Strauß benannt ist oder nicht, das ist zwar „lächerlich“, wissen SPIEGEL-Leser, aber es reicht eben auch für nationale Berichterstattung, von SPIEGEL über Süddeutsche bis zur Bild. So viel Aufmerksamkeit ist die bayerische FDP in letzter Zeit eher nicht mehr gewöhnt.

Woher dieser Reflex kommt lässt sich nur Erahnen. Offensichtlich scheint es vielen Menschen unvorstellbar, dass sich die Politik in diesem Land mit mehr als einem Thema gleichzeitig beschäftigen kann. Oder es fehlt einfach das Vorstellungsvermögen, dass für andere Menschen vielleicht ganz andere Themen wichtig sind als die eigenen.

Haben wir sonst keine Probleme? Doch, aber das sollte uns nicht davon abhalten auch dieses zu lösen.

 

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