Überblick über die Wikileaks Dokumente aus der amerikanischen Botschaft in Berlin

Zum Skandal wurden die Dokumente aus der amerikanischen Botschaft in Berlin erhoben, die von Wikileaks veröffentlicht wurden, bevor sie überhaupt jemand richtig gelesen hat. Nach kurzer Lektüre und Überfliegen einiger Dokumente kann ich nur sagen: Alles kalter Kaffee.

Hier hat der Spiegel eindeutig versucht Sensationslust zu wecken und das schlimmste: Die ARD ist mit Anne Will voll aufgesprungen und hat einen „Talk-Brennpunkt“ gesendet, der angesichts der veröffentlichten Dokumente geradezu lächerlich erscheint. Von den 30 insgesamt veröffentlichten Dokumenten sind „nur“ drei als „SECRET„, also geheim, klassifiziert, der Rest der Dokumente ist vertraulich oder überhaupt nicht klassifiziert. Zu diesen nicht klassifizierten Dokumenten gehört auch das, in dem Dirk Niebel als „eine schräge Wahl“ bezeichnet wird. Wo da der Skandal liegen soll ist wohl kaum verständlich, da viele FDP-Anhänger und Mitglieder das ähnlich sehen.

Am unverständlichsten ist aber, wie der Spiegel dazu kommt, auf dem Titel, Westerwelle mit „aggressiv“ zu untertiteln. Das Dokument, auf das dieser Ausschnitt anspielt stammt von vor der Bundestagswahl, Westerwelle war also noch kein Minister, und ist im wesentlichen die Biografie von Guido Westerwelle. Das „nur“ als vertraulich gekennzeichnete Dokument trägt den Namen „GERMANY’S NEXT FOREIGN MINISTER?“ und enthält das Wort aggressiv nur in folgendem Zusammenhang:

„Family members note that Westerwelle inherited
the unbridled, aggressive temperament of his father and the
calculated, deliberate, and hesitant cleverness of his
mother.“

Es handelt sich dabei also lediglich um ein Zitat einer Aussage, die Familienmitglieder über Westerwelle gemacht haben, der Botschafter oder Mitarbeiter der Botschaft haben NICHT gesagt, dass sich der deutsche Außenminister aggressiv verhält, oder ähnliches. So bleiben die größten Enthüllungen dieses Dokumentes dann wohl:

In his free time, Westerwelle enjoys attending
concerts and reading. He enjoys running, beach volleyball,
sailing, horseback riding, and mountain biking. He collects
paintings from New Leipzig School artists such as Neo Rauch
and Tim Eitel and is a fond collector of works by Norbert
Bisky and Joerg Immendorff. He enjoys vacationing in Italy
and Spain.

Dagegen fast schon brisant sind die Äußerungen des Verteidigungsministers Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, der berichtet dem amerikanischen Botschafter nämlich ganz offen, dass eine große Aufstockung der Truppen in Afghanistan nur an Guido Westerwelle gescheitert ist, der sich vehement dagegen einsetze. Der Botschafter der USA ist mit Sicherheit nicht der richtige Platz um sich über den Koalitionspartner auszulassen und diesen anzuschwärzen: Westerwelle 1, Guttenberg 6, setzen!

Ganz am Ende eines Protokolls, das bei einem Besuch von Westerwelle beim Botschafter geführt wurde, gab es dann aber doch noch ein bisher sehr gut gehütetes Staatsgeheimnis zu entdecken:

Westerwelle (who spoke with ease in English)

Kommentieren