Wie man mit seiner Partei glücklich wird

Seit mittlerweile gut fünf Jahren halte ich meiner Partei die treue und bin – trotz aller Hochs und vor allem Tiefs – mit meiner Entscheidung immer noch sehr zufrieden.  In dieser Zeit habe ich auch viele andere politisch aktive Menschen kennengelernt. Manche von ihnen haben in der selben Zeit inzwischen zwei oder sogar drei Parteien durchlaufen. Da drängt sich bei der Parteienwahl die selbe Frage wie bei der Partnerwahl auf: Gibt es ein Geheimrezept für ein langfristiges glückliches miteinander?

Die Antwort ist vermutlich – in beiden Fällen – nein, aber ein paar Regeln die helfen können gibt es doch:

  1. Grundlegende Überzeugungen sind wichtiger als Tagespolitik
    Opposition ist Mist, Regierung manchmal noch mehr. Wenn man sich mit den Grundwerten einer Partei identifizieren kann sollte man sich nicht davon abschrecken lassen, wenn sie, zum Beispiel als Koalitionspartner, in der Tagespolitik von diesen Werten abkommt. Schließlich hat man als Mitglied der Partei die Möglichkeit sie von innen heraus zu verändern und wieder zurück auf den richtigen Weg zu führen. Umgekehrt sollte man sich aber auch nicht von tagespolitischen Entscheidungen blenden lassen. Nur weil eine Partei gerade ein paar markige Forderungen stellt, die gefallen, heißt das noch nicht, dass genug Gemeinsamkeit für ein dauerhaftes Miteinander vorhanden sind. Wer sich langfristig an eine Partei binden möchte sollte vor allem auf die grundsätzliche politische Ausrichtung achten, denn die hat in der Regel – im Gegensatz zu jeder Koalition – Bestand.
     
  2. Trete keiner Ein-Themen-Partei bei
    Tut mir leid liebe (Ex-)Piraten und (Ex-)AfDler, aber ich hätte euch vorher sagen können, dass das mit euch und eurer Partei wahrscheinlich nichts wird! Die repräsentative Demokratie in Deutschland ist so aufgebaut, dass jede Partei – spätestens wenn sie in einem Parlament sitzt – Antworten für jedes Politikfeld haben muss. Und während ihr euch beim Internet noch einig wart, ist die Chance, dass ihr euch auf den anderen Gebieten auch einig seid ziemlich gering. Nun kann man natürlich nie mit allen Positionen seiner Partei übereinstimmen, aber der Weg von einer Ein-Themen-Partei zu einer inhaltlich breit aufgestellten politischen Kraft ist besonders schmerzvoll. Die Chancen stehen gut, dass bei jeder neuen Entscheidung 50% der Partei vor den Kopf gestoßen werden. Und die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende dieses Prozesses eine Partei steht, mit der man sich selbst überhaupt nicht mehr identifizieren kann, ist relativ groß.
     
  3. Geben und Nehmen
    Eine gute Beziehung ist immer ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Man tritt in eine Partei ein um die Partei und vielleicht sogar die Welt ein Stück besser zu machen. Man muss aber auch akzeptieren, dass es da noch hunderte oder tausende andere Mitglieder gibt, die genau das selbe Ziel verfolgen, aber vermutlich ganz andere Vorstellungen davon haben, wie eine bessere Welt aussieht. Wer einer Partei beitritt muss bereit sein Kompromisse zu machen. Man sollte nie seine eigene kritische Meinung verlieren, aber wenn man eine Woche vor der Wahl in einer Fußgängerzone am Parteistand steht, muss man auch dazu bereit sein Inhalte zu vertreten, gegen die man auf dem letzten Parteitag vielleicht noch angekämpft hat. Demokratie basiert auf Kompromissen. Wer nicht bereit ist diese Kompromisse einzugehen, wird es auf Dauer schwer haben, mit seiner Partei glücklich zu werden. Auch außerhalb von Parteien gibt es Möglichkeiten sich politischen zu engagieren. In Initiativen und Vereinen die sich auf ein spezielles Thema beschränken muss man oft weniger Kompromisse eingehen.

Kommentieren